Manege frei Max Beckmann im „Barberini“ in Potsdam

Manege frei Max Beckmann im „Barberini“ in Potsdam

Max Beckmann liebte die bizarre, leicht anrüchige Welt der Jahrmärkte, Zirkusse und Varietés. Hier fand er, von den frühen 1920er Jahren an, seine beredten Motive. 120 dieser Werke werden jetzt in Bremen gezeigt. Am 24. Februar 2018 zieht das „Welttheater“ weiter, ins Museum Barberini.

Lustig wirken sie nicht, die Tänzerinnen und Jongleure, die Clowns und Akrobatinnen, die Kraftmenschen und kunstseidenen Mädchen. Eher apathisch, angestrengt, vielleicht sogar verzweifelt. Und das Publikum: schaut bestenfalls gelangweilt zu. Jedenfalls auf den Bildern von Max Beckmann. Varietés, Zirkusse und Jahrmärkte, solche Orte ziehen den Künstler magisch an. Er staunt über das, was er sieht. Und malt es. Schonungslos wischt er die Schminke weg, zieht alle Masken ab. Was Beckmann in den frühen 1920er Jahren begonnen hat, lässt ihn nicht mehr los. Er bleibt dem Sujet treu bis 1950, als er, 66-jährig, stirbt.
Die Deutschen konnten seine Bilder in der Heimat erst nach dem 2. Weltkrieg wieder sehen. Zwar hatte man dem bedeutenden Maler 1932 in Berlin noch einen „Beckmann-Saal“ in der Nationalgalerie eingerichtet, doch bereits ein Jahr später sollte er seine Professur an der Frankfurter Städelschule verlieren. Schon vor der Machtergreifung haben die Nazis ihm das Leben schwer gemacht. Am 17. Juli 1937 dann, einen Tag, bevor Hitler die „Große Deutsche Kunstausstellung“ in München eröffnet, flieht Max Beckmann mit seiner Frau Quappi nach Amsterdam. Und bleibt dort bis 1947, weil er zuvor das lange beantragte Visum für die USA nicht erhält.
Die Rummelplätze des Menschen nehmen einen breiten Raum in seinem Werk ein. Sogar hinter den Kulissen hat er Maß genommen. Gern besucht er Maskenbälle, auf denen er selbst in unterschiedlichste Kostüme schlüpft. Zahlreiche Selbstbildnisse zeigen ihn als Clown. Als Maler wird er nicht nur zum Beobachter, sondern auch zum Mahner seiner Zeit. Beim seinem Werk „Apachentanz“ etwa – Apachen nannte man damals zwielichtige Jugendliche oder Kriminelle – beleuchtet er diese als chancenlose Außenseiter. So sehr sie sich auch bemühen, sie kommen nicht raus aus ihrem Milieu.Die menschliche Ordnung scheint aus den Fugen zu geraten in diesem „Welttheater“. Beckmanns Künstlerfreund Stephan Lackner hatte diesen Begriff 1938 geprägt, während der Phase der Verunsicherung und Bedrohung der deutschen Kulturszene. Beckmann notierte am 12. September 1940 in sein Tagebuch: „Wenn man dies alles – den ganzen Krieg, oder auch das ganze Leben nur als eine Szene im Theater der Unendlichkeit auffaßt, ist vieles leichter zu ertragen.“Viele der für diese Ausstellung ausgewählten Werke gehören zum Bestand der Bremer Kunsthalle. Aber daneben hängen bedeutende Leihgaben, etwa die selten gezeigten Triptychen „Schauspieler“ (1941/42) aus dem Fogg Museum und „Argonauten“ (1949/50) aus der National Gallery of Art. Private Leihgeber haben etwa passende druckgraphische Mappen beigesteuert. Wie vielseitig begabt Beckmann war, zeigt die Schau auch: In den 1920er Jahren schrieb er die beiden Dramen „Ebbi“ und „Das Hotel“.

Quelle : Tagesspiegel.de

 

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