„Die Postmoderne wird neu entdeckt“

„Die Postmoderne wird neu entdeckt“

Designexperte Volker Streckel über Möbeltrends, nationale Eigenheiten beim Einrichten und die Frage, wie die Digitalisierung unsere Art zu wohnen verändert.

Das neue Jahr beginnt traditionell mit der Vorstellung der neuen Möbelkollektionen. Was sind die Trends?

Es gibt ein Revival der Postmoderne. Überall wird das Design der Memphis-Gruppe zitiert, mit seinen Kugeln, Pyramiden und Würfeln. Auf den Midcentury-Trend und die skandinavische Schlichtheit folgen nun Verspieltheit und Opulenz. Gerade jüngere Designer, die die Postmoderne in den siebziger und achtziger Jahren nicht miterlebt haben, entdecken sie wieder.

Könnten Sie ein Beispiel nennen?

Der Pipe Chair, den Sebastian Herkner für Moroso entworfen hat: ein Sessel mit kräftigen Ohren, kubischen Formen und dicken Blockstreifen in Schwarzweiß. Das sind Dinge, die man längere Zeit nicht gesehen hat und die jetzt wieder aufpoppen.

Was ist Ihnen beim Blick auf die neuen Kollektionen noch aufgefallen?

Es wird wieder humorvoller. Da sind vor allem die Holländer vorne mit dabei, die Einrichtung generell mit sehr viel mehr Witz betreiben als die Deutschen.

Sie sind seit zwölf Jahren bei der Design Post, wo mehr als dreißig Hersteller ihre Neuigkeiten präsentieren. Gibt es nationale Unterschiede darin, wie man an Einrichtung herangeht?

Auf jeden Fall. Niederländer betrachten Möbel zum Beispiel nicht wie die Deutschen mit der Erwartung, dass sie ewig Bestand haben müssen. Der Deutsche verlässt sich gerne auf sein grundsolides Modulsofa, das sich seit sechzig Jahren bewährt hat. Deutsche Möbel sind im Zweifel auch erdbebensicher. Die Holländer denken eher: Und wenn mir die Sturmflut das Ding mal wegfegt, muss ich es eben neu machen. Und dann schaue ich mal, wie in dem Moment meine Stimmung so ist.

Vorbild: Der Sessel Bel Air von Peter Shire ist eine Ikone des Memphis-Designs aus den Achtzigern.
Vorbild: Der Sessel Bel Air von Peter Shire ist eine Ikone des Memphis-Designs aus den Achtzigern. : Bild: Sotheby’s

Und wie ist die Herangehensweise der Italiener?

Denen ist es wichtiger, dass Möbel elegant und schön sind, als dass sie bis ins letzte Detail quietsch- und wackelfrei funktionieren. Durch diese unterschiedlichen Haltungen kommt man zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen in der Gestaltung.

Quelle : FAZ Online

von

Judith Lembke

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