In Berlin zeigt eine Retrospektive das Werk von Gianni Versace

In Berlin zeigt eine Retrospektive das Werk von Gianni Versace

Am 15. Juli 1997 wurde Gianni Versace vor seiner Villa in Miami Beach ermordet. Während der Mailänder Modewoche im letzten September verbeugte sich Donatella Versace mit einer emotionalen Modenschau vor dem Lebenswerk ihres Bruders – mit einer Neuauflage seiner berühmtesten Entwürfe und den Supermodels der 90er-Jahre, die sie auf dem Laufsteg wiedervereinte. Viele nannten es den Höhepunkt der Saison. Jetzt eröffnet in Berlin die Ausstellung „Gianni Versace Retrospective“.

Es ist die bislang größte Ausstellung, die es je zum Œuvre Versaces gab: Rund 300 Originalkreationen werden ab heute im Kronprinzenpalais gezeigt – davon etliche Outfits, die der Designer für Pop-Ikonen wie Sting, Prince, Madonna oder Elton John kreiert hat. Hinzu kommen Zeichnungen sowie seltene Archivfotografien und Accessoires. Das Modehaus Versace hat an der Schau derweil nicht mitgewirkt – alle Stücke stammen aus internationalen privaten Sammlungen.

Gianni Versace: die Highlights der Ausstellung

Geplant war auch, Gianni Versaces Schlafzimmer originalgetreu nachzubilden. Das hat nicht geklappt. Dafür gibt es andere Highlights in der Ausstellung, die nicht chronologisch, sondern lose thematisch zusammengestellt sind: Versaces berühmte Lederjacken etwa, die mit unzähligen Nieten und funkelnden Mittelalterkreuzen besetzt sind. Die vielen Kleider, Blusen und Miniröcke mit seinem Signature-Druck Wild Baroque, ein Mix aus Animal-Print und barocken Architekturelementen. Oder seine legendären Seidenhemden: Geometrische Muster fügen sich dort mal mit knalligen Blumen, mal mit Motiven aus der griechischen Antike zusammen. Eine regelrechte Explosion an Farben.

Weitere Highlights sind die Pop-Art-Entwürfe aus der Warhol-inspirierten Kollektion von 1991 sowie jene aus der Bondage-Kollektion von 1992: schwarze Kleider mit viel Leder, Gold-Nieten, Schnallen und Riemen, die Sex ausstrahlen. Eines davon trug damals Liz Hurley auf dem roten Teppich: Tief geschlitzt und nur von Sicherheitsnadeln zusammengehalten, verhalf es dem britischen Model zu Weltruhm. In dem Saal Gods & Goddesses sind wiederum etliche Couture-Stücke versammelt, darunter ein Bustier aus der Frühjahr/Sommer-Kollektion 1991, vermutlich das wertvollste Stück der Ausstellung: Handbestickt und mit Perlen besetzt stellt es das Bild „Die Frau in Gold“ von Gustav Klimt dar.

Gianni Versace Retrospective

Ein handbesticktes Bustier aus der Frühjahr/Sommer-Kollektion 1991.

Gianni Versace Retrospective

Was bei dem Rundgang durch die Ausstellung einmal mehr deutlich wird: Wie nachhaltig der italienische Designer die Mode mit seinen schrillen, opulenten Entwürfen, die immer ein wenig over the top wirken, verändert hat. In den Achtziger- und Neunzigerjahren bildete er damit den Gegenpol zu Giorgio Armani, der die Defilees von Versace damals als „Porno-Shows“ bezeichnete. „Guter Geschmack interessiert mich nicht“, soll dieser gekontert haben.

Zu Deutschland hatte Gianni Versace übrigens eine besondere Verbindung: Seine erste Modenschau zeigte er 1978

sondern in Lippstadt in der westfälischen Provinz – auf Einladung des Einzelhändlers Albert Eickhoff, der als sein Entdecker gilt. Zudem fand die letzte, selbst kuratierte Ausstellung des Modeschöpfers 1994 in Berlin statt. Mehr als zwei Jahrzehnte später findet diese nun ihre Fortsetzung.

„Gianni Versace – Retrospective“ ist bis zum 13. April 2018 im Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, 10117 Berlin zu sehen.

von Anna Bok

Quelle : Harpers Bazaar

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